Der tobende Hamster

Große Freude scheinen derzeit viele Menschen an einem Song von Ich und Ich zu haben, Pflaster heißt er und es wird darin Folgendes gesungen:

„Du bist das Pflaster für meine Seele
Wenn ich mich nachts im Dunkeln quäle
Es tobt der Hass, da vor meinem Fenster
Du bist der Kompass wenn ich mich verlier’,
du legst dich zu mir wann immer ich frier’
Im tiefen Tal wenn ich dich rufe,
bist du längst da.“

Dazu schrieben mir Leserin D., auch Frau P. aus Melsbach sowie Frau J. aus Tübingen, schließlich Herr S. aus Ribnitz-Damgarten, und wenn ich deren Missverständnisse zusammen fasse, ergibt sich folgender Text:

„Du bist das Flachdach für meine Seele
Wenn ich mich nachts im Dunkeln quäle
Es tobt der Hamster vor meinem Fenster…“

Was für ein schöner, dunkler, poetischer, komplett unverständlicher und doch reizvoller Text!
„Ich fragte mich immer beim Hören dieses Liedes: Welche Rolle spielt der Hamster in der Beziehungskrise des Paares?“, schreibt Herr S. „Hatte sie ihn vielleicht heimlich ausgesetzt…. um den Partner zu ärgern… weil es sein Hamster war …?“
Ein tobender Hamster, ein Flachdach auf einer Seele – das könnte auch von Herbert Grönemeyer sein.

UUoooooaaaaaaafrika!!

Die Freunde Wumbabas wissen, dass alles mit einem Song von Hot Chocolate begann, an dessen Text meine Frau und ich uns unterschiedlich erinnerten. Sie sang die erste Zeile „I believe in nuckles“ (Ich glaube an Knöchel), ich gab „I believe in Malcolm“ zu Gehör. Wobei es in Wirklichkeit „I believe in miracles“ heißt (was, glaube ich, noch nie jemand so gehört hat), die meisten Leute aber „I believe in Mirko“ verstehen.

Leser E. schreibt nun, neue Variante!, er habe immer verstanden „I believe in alcohol“, was man, finde ich, in der Tat sehr gut verstehen kann. Es ergäbe sich dann folgender sinnhafter Songtext:

„I believe in alcohol

Where you from

You sexy thing

I believe in alcohol

Since you came along

You sexy thing“

E. schreibt übrigens noch, er sei heute selbst Berufsmusiker und wisse jetzt, „dass es über weite Stecken auch als Musiker ohne Alkohol gehen muss…“ Aber ab und zu spiele er mit seiner Band „auch solche Party- Musik- Veranstaltungen, bei denen sich verschwitzte Tänzer aus dem Publikum vorne am Bühnenrand bei der Sängerin etwas wünschen:

‚Könnt ihr Afrika spielen?’

‚Ja schon, passt aber grade nicht so….’

‚Ha doch, dieses: UUoooooaaaaaaafrika!!’

Dabei fängt die Dame mit tiefer Stimme an, saust mit diesem uuooaa durch zwei Oktaven nach oben und endet mit frika.

Die Sängerin musste in dem Moment sicher kämpfen um nicht loszuprusten, als ihr klar war, das die Gute Le Freak von chiq mit der Hookline ‚Freak Out’ meinte. Sie bekam es aber dann zur Belohnung prompt gespielt.“

Grönemeyer in drei Variationen

In die große Schar der Grönemeyer-Exegeten reiht sich nun auch Frau O. aus dem Allgäu ein, die jene berühmten Zeilen aus Was soll das? nicht, wie einst Leserin B. aus Mannheim, als

„Hat dich beim Wühlen in den Kissen

denn nie dein Kürbis angebissen?“

verstand, sondern hörte:

„Hat dich beim Wühlen in den Kissen

denn nie der glatte Sand gebissen.“

Sie schreibt: „Da das nie einen wirklichen Sinn ergab…, dachte ich, es müsste vielleicht ‚… denn nie der blanke Hans gebissen’ heißen.“

Das werfe allerdings die Fragen auf, warum der Liebhaber plötzlich Hans heiße, ob pleite sei oder nur, wie beim Kissenwühlen oft üblich nackt sei und warum der blanke Hans nicht an der Nordsee sein Unwesen treibe wie sonst, sondern im Ruhrpott.

In Wahrheit singt Grönemeyer übrigens angeblich:

„Hat dich beim Wühlen in den Kissen

denn nie dein Gewissen gebissen?“

Aber das nur nebenbei.

Von Brez’n ausstreuenden Frauenmördern

Kürzlich eine Lesung in Ansbach. Am Ende kam einen Besucherin zu mir, die ihrem Sohn oft das Lied Sabinchen war ein Frauenzimmer vorsang, in dem es um die tugendhafte und holde Sabine geht, die von einem liederlichen Schustergesellen verführt, zum Diebstahl verleitet und schließlich ermordet wird – bis am Schluss den Schuster selbst die gerechte Strafe ereilt. Er muss lebenslänglich ins Gefängnis, bei Wasser und Brot.
Dieser Schuster nun, so wird im Lied mitgeteilt, stammt aus Treuenbrietzen, das liegt in Brandenburg und nennt sich heute – das aber nur nebenbei – „Sabinchenstadt“ und beherbergt „Sabinchen-Festspiele“. Im Text heißt es zunächst:

„Sabinchen war ein Frauenzimmer,
Gar hold und tugendhaft
Sie diente treu und redlich immer
Bei ihrer Dienstherrschaft.
Da kam aus Treuenbrietzen
Ein junger Mann daher,
Der wollte so gerne Sabinchen besitzen
Und war ein Schuhmacher.“

Nun war dem Sohn der Dame aus Ansbach das Wort „Treuenbrietzen“ ganz und gar unbekannt, er verstand es nicht und hörte deshalb, wenn seine Mutter sang, nicht „aus Treuenbrietzen“ sondern „ausstreuend Brez’n“:

„Da kam, ausstreuend Brez’n,
Ein junger Mann daher…“

Und der Knabe stellte sich vor, wie dieser junge Mann Sabinchen umkreiste und um sie herum, mit verführerischem Lächeln auf den Lippen, Brez’n ausstreute, eine seltsame Art um eine Frau zu werben und sicher eher einem Bäcker als einem Schuster gemäß, aber bitte, was weiß man denn als Kind von diesen Dingen.
Richtig seltsam wurde es erst in einer späteren Strophe, als nämlich der Schuster mit seinem krummen Schustermesser Sabinchen den Hals durchgeschnitten hat. Da heißt es nun:

„Ihr Blut zum Himmel spritzte,
Sabinchen fiel gleich um;
Der böse Schuster, ausstreuend Brez’n,
Der stand um sie herum.

Sie tat die Glieder strecken
Nebst einem Todesschrei
Den bösen Wicht tun jetzt einstecken
zwei Mann der Polizei.“

Ist es nicht seltsam, dass dieser Schuft noch nach seinem Mord, wie zwanghaft, ja, geradezu getrieben, wiederum Brezn um sein blutendes Opfer herum ausstreut?
Ein Rätsel, das für den Knaben aus Ansbach ungelöst blieb, bis er eines Tages auf der Autobahn an Treuenbrietzen vorbei fuhr, und die Mutter ihn auf den Ort aufmerksam machte und an das Sabinchen-Lied erinnerte.
Worauf dem jungen Mann auf geradezu wumbabare Weise ein Licht aufging.

Phonetische Übungen zwischen Walzwerk und Waldzwerg

In Wumbabas Vermächtnis gibt es die Geschichte von Leserin N. aus Braunschweig, die ihrer Tochter den Lärm erklären musste, den sie bei einem Spaziergang hören konnte. Dieser Krach, so N. zur Tochter, komme vom nahe gelegenen Walzwerk. Danach erklärte sie ihr, was in einem Walzwerk geschehe und wie das Eisen und Stahl verarbeitet würden. Am nächsten Tag fragte die Tochter, wie der Waldzwerg das denn mache: die ganze Arbeit mit dem Eisen.

Leser B. aus Oelsnitz im Erzgebirge schreibt dazu nun, wie sehr ihn das überrascht habe, „denn ein, zwei Monate zuvor zeigte mir meine Frau, die in einem Call-Center arbeitet, einen Zettel mit einer Sprechübung, die sie vor versammelter Mannschaft hatte durchführen müssen. Dort quälten sich in jedem Satz Waldzwerge in Walzwerken ab. Hat sich Wumbaba etwa auf eine andere Ebene begeben? Ist er von der Realität, also tatsächlichen Verhörern, in die Phantasie abgewandert, zu sicherlich schönen, jedoch ausgedachten Verhörern? Das wäre ja fast neuer Stoff für ein Buch…“

Glaube ich nicht, Herr B., glaube ich nicht. Eher meine ich, dass auch die Instruktoren in Call-Centern Wumbaba lesen…

Die Kraft der Erdbeere

In Wumbabas Vermächtnis gibt es ja ein ganzes Kapitel über die Rolle der Erdbeere im Verhörwesen, da kommt natürlich unser lieber Erdbeerschorsch vor, aber auch rätselhafte Erdbeeren-Opfer in Rumänien. Leser B. aus Oelsnitz Erzgebirge leistet nun einen Beitrag zur Fortschreibung dieses Kapitels, wenn er mitteilt, was sein sechsjähriger Sohn vor kurzem am Abendbrot-Tisch sagte:

„Ich möchte ein Actimel trinken. Actimel stärkt nämlich die Erdbeerkräfte.“

B. schreibt weiter: „Sie können sich vorstellen, dass meine Frau und ich herzlich gelacht haben, unser Sohn uns aber nur verständnislos anblickte. Auch als wir ihm sagten, dass es Abwehrkräfte heißt, konnte er nicht recht mitlachen. Das Wort gehörte halt noch nicht zu seinem Wortschatz.“

Wumbaba macht Sommerpause

Liebe Freunde Wumbabas,

für einige Wochen verabschiede ich mich nun in die Sommerferien, in den Süden, mit einem Brief von Frau S. aus Augsburg, die mir schrieb, sie habe gerade mal wieder im Autoradio jenen alten Schlager gehört, in dem “die Beine von Dolores” besungen wurden:

Das machen nur die Beine von Dolores,
dass die Señores
nicht schlafen geh’n.

Sie schreibt: „Mit dem Wort ‘Señores’ konnte ich damals nichts anfangen, wohl aber mit Junior und Senior (das wusste ich von den monatlich erscheinenden kleinen Heftchen aus der Apotheke mit dem Namen Junior…). In Anlehnung an die Leiden meiner Großmutter stellte ich mir also eine ehemals feurige Spanierin vor, die jetzt aber, von Hammerzehen, Hallux Valgus und Krampfadern geplagt, so starke Schmerzen hat, dass sie nachts nicht schlafen kann. In Kombination mit dem Tango-Rhythmus ergab das ein durchaus tragisches Bild!“

Frau S. berichtet weiter von dem unvergessenen Vico Torriani. Der besang den kleinen, sehr schön singenden Italiener Filippo, und auch hier ging es um Beine. Torriani sang:

Bravo, bravo,
Beine‘ wie Caruso,
so singt Filippo,
tralalalalalala!

Na ja, das sang er natürlich nicht, er sang “beinah wie Caruso”, aber Frau S. erinnert sich, “dass ich mich schon damals gefragt habe, ob seine Beine wohl außergewöhnlich schön oder außergewöhnlich hässlich waren…”

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern wünsche ich einen sehr schönen Sommer und hoffe, Sie im September hier wieder begrüßen zu dürfen.

Übrigens: Bis dato haben zehntausend Menschen den Weg hierher gefunden. Das ist ganz wumbaba!

Ist Paul Anka Islamist?

Post aus Dornbirn in Vorarlberg, von Herrn K., der dort beim Österreichischen Rundfunk als Redakteur arbeitet. Er habe, schreibt er, sich gerade mit dem Musikredakteur H. unterhalten, welcher ihm ein Erlebnis vom vergangenen Karfreitag schilderte. Ihm, H., sei damals von der Vermittlung ein sehr erboster Radiohörer durchgestellt worden, der fragte, was ihm denn einfalle, im Radio Lieder zu spielen, die Allah in solcher Weise verherrlichten, noch dazu am Karfreitag, einem der höchsten christlichen Feiertage.

„Große Verwirrung bei meinem Kollegen“, schreibt K. „Er geht seine Spiellisten durch, findet (natürlich) nichts, was auch nur annähernd nach Islam oder Allah klingt. Und wird nach langer, langer Zeit, in denen er auch begonnen hat, die Lieder noch einmal anzuhören, doch noch fündig: Paul Anka war der Übeltäter. Aber er sang nicht ‚I believe, there is nothing stronger than Allah’, wie der erzürnte Hörer verstanden hatte, sondern ‚I believe, there is nothing stronger than our love’… „

Post zum Hoserunter-Panther

Timo Ewald war vor einer Weile bei der Lesung in Braunschweig und freute sich über den Hoserunter-Panther aus Wumbabas Vermächtnis so sehr, dass er seiner Schwester Gudrun davon erzählte. Die daraufhin, weil sie in dieser Hinsicht sehr begabt ist, sofort zu Pinsel und Palette griff und den Hoserunter-Panther auf eine Stofftasche panthe, äh, bannte. Diese Tasche trägt Bruder Timo nun durch Braunschweig. Wir sehen hier Paul Panther (oder ist es nicht eher Pauline? Hmmm, schwer zu deuten, tatsächlich…) zum ersten Mal mit jener Hose, die er trägt, wenn er nicht im Dienst ist.

Wobei es einen ja nicht wundert, dass dieses Kleidungsstück zu Boden gerutscht ist: bei dem Riesen-Hosen-Bund…

Hoserunter-Panther

Ehebruch? Zum Erbrechen!

Mit Geschichten aus dem kirchlichen Leben haben sich ja in den drei Wumbaba-Bänden ganze Kapitel füllen lassen, aber was Frau T. aus Wien zu berichten hat, ist nicht dabei – wie auch? Ihre Mail erreichte mich erst jetzt, das sechste Gebot betreffend. Sie schreibt:

„Ich bin mittlerweile 26, erinnere mich aber noch an die Volksschulzeit, als wir im Religionsunterricht die zehn Gebote diktiert bekamen und sie bis zur nächsten Stunde auswendig lernen mussten. Meine Mutter hat mich abgeprüft und ist in schallendes Gelächter ausgebrochen, als ich, beim sechsten Gebot angelangt, behauptete: ‚Du sollst nicht erbrechen.‘ Mir erschien das logisch, schließlich sollten wir Gott doch dankbar sein, für die Speisen, die er uns gibt und sie nicht verschwenden, indem wir sie erbrechen. (Das Wort ‚ehebrechen‘ hatte ich noch nie gehört und konnte mir auch, nachdem ich das sechste Gebot richtig aufsagen konnte, nichts darunter vorstellen.)“

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